Nachrüstung im Altbau

Fußbodenheizung im Altbau nachrüsten

Gründerzeithäuser, Nachkriegsbauten, 70er-Jahre-Siedlungen: Jeder Altbautyp stellt andere Anforderungen an die Nachrüstung. Wir zeigen, welches System zu Ihrem Gebäude passt und worauf Sie achten müssen.

45 % der NRW-Gebäude: Baujahr 1950–1979
Normkonform nach GEG
Förderung bis 70 % möglich
NRW Gebäudebestand

Warum NRW ein Nachrüstungsland ist

Etwa 45 % der Gebäude in NRW stammen aus den Jahren 1950 bis 1979, weitere 20 % aus der Zeit vor 1919. Rund zwei Drittel aller NRW-Haushalte heizen mit Gas. Wer auf Wärmepumpe umsteigt, braucht Niedertemperatur-Heizflächen. Genau hier setzt die Nachrüstung an.

45 %

Gebäude Baujahr 1950–1979

Nachkriegsbauten mit Zement- oder Anhydritestrich, oft gut geeignet für Fräsverfahren

Heizen aktuell mit Gas

Heizungstausch auf Wärmepumpe erfordert Niedertemperatur-Heizflächen wie Fußbodenheizung

20 %

Gebäude vor 1919

Gründerzeithäuser mit Holzbalkendecken, hohen Decken und oft fehlender Dämmung

Baujahre-Guide

Welches System für welchen Altbautyp?

Die Deckenkonstruktion und der Estrich bestimmen, welches Nachrüstverfahren infrage kommt. Hier die häufigsten Altbautypen in NRW und die passenden Systeme.

Vor 1919

Gründerzeit & Vorkriegsbauten

DeckeHolzbalkendecken, hohe Decken (3+ m)
EstrichOft kein Estrich oder dünner Aufbau
EmpfehlungTrockenbausystem

Leicht, trocken, keine Feuchte in die Holzkonstruktion. Ab ca. 20 mm Aufbauhöhe. Bei hohen Decken ist die zusätzliche Höhe kein Problem.

1950–1979

Nachkriegs- & Wirtschaftswunderzeit

DeckeBetondecken mit Zementestrich
EstrichZementestrich 4–6 cm, oft tragfähig
EmpfehlungFräsverfahren

Kanäle direkt in den vorhandenen Estrich fräsen. Keine zusätzliche Aufbauhöhe, günstigstes Verfahren (30–70 €/m²). Häufigster Altbautyp in NRW.

1980–1999

Modernisierungszeit

DeckeBetondecken, diverse Estricharten
EstrichZement- oder Anhydritestrich, oft mit Dämmung
EmpfehlungFräsen oder Dünnschicht

Bei Zementestrich ab 4 cm: Fräsen. Bei Anhydritestrich (nicht fräsbar): Dünnschichtsystem ab 15 mm. Aufbauhöhe prüfen.

Denkmalschutz

Historische Gebäude mit Auflagen

DeckeJe nach Baujahr verschieden
EstrichOft Auflagen zur Bausubstanz
EmpfehlungEinzelfallprüfung

Denkmalschutzauflagen können Eingriffe in den Boden einschränken. Trockenbau oft möglich, da rückbaubar. Abstimmung mit der Denkmalbehörde vor Planung.

Die tatsächliche Eignung wird bei der Bestandsaufnahme vor Ort geprüft. Estrichtyp, Estrichdicke, Tragfähigkeit und Feuchtigkeit sind entscheidend.

Altbau-Herausforderungen

Was im Altbau anders ist

Knappe Aufbauhöhe

Türen, Schwellen und Übergänge begrenzen den Spielraum. Fräsen löst das Problem komplett (0 mm Aufbau), Dünnschicht braucht ab 15 mm, Trockenbau ab 20 mm.

Holzbalkendecken

Nassverfahren sind bei Holzbalkendecken kritisch: Feuchtigkeit kann die Konstruktion schädigen. Trockenbausysteme sind hier die sichere Wahl, da sie komplett ohne Wasser auskommen.

Unbekannter Estrich

Anhydritestrich sieht aus wie Zementestrich, ist aber nicht fräsbar. Er splittert beim Fräsen. Eine Probe vor Ort klärt den Estrichtyp zuverlässig, bevor geplant wird.

Schlechte Dämmung

Altbauten mit schlechter Dämmung haben höhere Heizlasten. Engere Rohrabstände oder höhere Vorlauftemperaturen können das ausgleichen. Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 klärt den Bedarf.

Schadstoffe im Bestand

In Gebäuden vor 1993 können Asbest (Bodenbeläge, Fliesenkleber) oder PAK (schwarze Kleber) vorkommen. Vor der Demontage alter Beläge muss geprüft und ggf. fachgerecht entsorgt werden.

Alte Heizungsanlage

Viele Altbauten haben überdimensionierte Heizkörper und hohe Vorlauftemperaturen. Die Fußbodenheizung ermöglicht den Umstieg auf Niedertemperatur und macht den Weg frei für eine Wärmepumpe.

Vorschriften & Förderung

GEG-Pflichten und Förderung bei Sanierung

GEG bei Sanierung

  • § 60c GEG: Hydraulischer Abgleich Pflicht bei Neuinstallation
  • § 63 GEG: Einzelraumregelung vorgeschrieben
  • Verfahren B mit Heizlastberechnung nach DIN EN 12831
  • Max. 29 °C Oberflächentemperatur (DIN EN 1264)

Förderung für den Altbau

  • KfW 458: Bis 70 % beim Heizungstausch (max. 30.000 € EFH)
  • BAFA BEG-EM: 15 % bei Heizungsoptimierung (+ iSFP-Bonus)
  • FBH als förderfähige Umfeldmaßnahme
  • Antrag zwingend vor Auftragsvergabe stellen

Altbau-Vorteil bei KfW 458: Beim Tausch einer alten Gas- oder Ölheizung gegen eine Wärmepumpe kann die Fußbodenheizung als Umfeldmaßnahme mitgefördert werden. Da der Großteil der NRW-Altbauten mit Gas heizt, ist genau dieses Szenario der häufigste Förderfall bei unseren Projekten.

Kosten

Was kostet die Nachrüstung im Altbau?

Im Altbau können Zusatzkosten entstehen, die im Neubau nicht anfallen: Schadstoffprüfung, aufwendigere Demontage, Estrichsanierung. Transparente Kalkulation ist hier besonders wichtig.

Fräsen + Verlegen30–70 €/m²
Trockenbausystem80–140 €/m²
Dünnschichtsystem70–120 €/m²
Demontage Altbelag20–40 €/m²
Heizkreisverteiler500–1.500 €
Hydraulischer Abgleich500–1.200 €
Bodenwiederherstellung30–80 €/m²
Komplettpreis typisch90–150 €/m²
Häufige Fragen

Fragen zur Fußbodenheizung im Altbau

Altbau-Nachrüstung planen? Wir prüfen vor Ort.

Estrichtyp, Deckenkonstruktion, Aufbauhöhe, Schadstoffrisiko: Wir klären alles bei der Bestandsaufnahme. Kostenlos und unverbindlich.