
Fußbodenheizung entlüften
Luft im System ist die häufigste Ursache für Kaltstellen, ungleichmäßige Wärmeverteilung und störende Fließgeräusche. Wann Sie selbst entlüften können und wann ein Fachbetrieb notwendig ist.
Warum ist Luft im System?
Luft gelangt auf verschiedenen Wegen in eine Fußbodenheizung. Die Kenntnis der Ursache ist wichtig, denn wiederkehrende Luft weist auf ein Problem hin, das behoben werden muss.
Heizungswasser nachfüllen
Frisches Leitungswasser enthält gelöste Gase. Beim Erhitzen entweichen sie und sammeln sich als Luftblasen in den höchsten Punkten des Systems.
Undichte Verschraubungen
Lose oder beschädigte Verbindungen am Heizkreisverteiler oder an Rohrverbindungen lassen Luft eintreten, besonders wenn der Systemdruck zu niedrig wird.
Diffusion durch Kunststoffrohre
Ältere PE-Rohre ohne Sauerstoffsperre (EVOH-Barriere) lassen Sauerstoff aus der Umgebungsluft durch die Rohrwand ins Wasser diffundieren.
Absinkender Systemdruck
Fällt der Betriebsdruck unter den Mindestdruck, können Pumpe und Ventile Luft ansaugen. Regelmäßige Druckkontrolle verhindert das.
Nach Reparaturen oder Umbauten
Jedes Öffnen des Heizkreissystems, z. B. beim Austausch des Verteilers oder bei Rohrarbeiten, bringt Luft ins System, die anschließend entlüftet werden muss.
Technische Fakten zur Luftbildung
Sauerstoffsperre
Schreibt eine EVOH-Sperrschicht in Kunststoffrohren vor. Ältere PE-X- und PB-Rohre ohne Barriere lassen Sauerstoff dauerhaft durch die Rohrwand diffundieren.
Mikroblasen
Gelöste Gase treten bei steigender Temperatur als Mikroblasen aus. Die Strömung transportiert sie über Dutzende Meter zum Heizkreisverteiler, wo sie den Durchfluss blockieren.
Druckverlust
Sinkt der Systemdruck unter den Mindestwert, ziehen Pumpe und Ventile Luft an. Regelmäßige Druckkontrolle und ein intaktes Ausdehnungsgefäß verhindern das.
Woran erkennt man Luft im System?
Kaltstellen in einzelnen Räumen
Bestimmte Bereiche oder ganze Räume bleiben kalt, obwohl die Heizung läuft. Der Heizkreis wird durch eine Luftblase blockiert, das Wasser zirkuliert nicht mehr vollständig.
Gluckern und Fließgeräusche
Hörbare Geräusche aus dem Fußboden: Ein Gluckern, Zischen oder Rauschen entsteht, wenn Wasser an Luftblasen vorbeifließt oder diese durch das System gedrückt werden.
Ungleichmäßige Wärmeverteilung
Einzelne Heizkreise werden deutlich wärmer als andere, obwohl alle am selben Verteiler angeschlossen sind. Ein Anzeichen dafür, dass Luft den Durchfluss in bestimmten Kreisen drosselt.
Ungleichmäßige Durchflussmesser am Verteiler
Die Durchflussanzeigen am Heizkreisverteiler zeigen stark unterschiedliche Werte, obwohl der hydraulische Abgleich korrekt eingestellt wurde.
Entlüftung Schritt für Schritt
Die richtige Reihenfolge ist entscheidend. Wer die Pumpe laufen lässt während entlüftet wird, riskiert, dass Luft erneut angesaugt wird.
Umwälzpumpe abstellen
Vor der Entlüftung die Pumpe ausschalten und kurz warten, bis sich das Wasser im System beruhigt hat. So steigt die Luft nach oben und lässt sich leichter ablassen.
Heizkreise einzeln entlüften
An jedem Heizkreis am Verteiler das Entlüftungsventil an Vorlauf und Rücklauf öffnen. Warten bis kein Zischen mehr zu hören ist und nur noch Wasser austritt, dann schließen.
Systemdruck prüfen und nachfüllen
Nach dem Entlüften fällt der Druck im System. Manometer am Verteiler oder Heizkessel kontrollieren. Betriebsdruck liegt typischerweise bei 1,5 bis 2,0 bar, ggf. Wasser nachfüllen.
Pumpe einschalten und prüfen
Umwälzpumpe wieder einschalten und nach 15 bis 30 Minuten Betrieb prüfen, ob alle Heizkreise gleichmäßig warm werden und keine Geräusche mehr auftreten.
Selbst entlüften oder Fachbetrieb?
Selbst möglich
- Einzelner Heizkreis, der nicht warm wird
- Entlüftungsventil am Verteiler vorhanden und zugänglich
- Geräusche auf einen bestimmten Raum begrenzt
- Luft nach einmaligem Nachfüllen von Heizungswasser
- Anlage bekannt und Betriebsdruck kontrollierbar
Fachbetrieb empfohlen
- Luft tritt wiederholt auf, obwohl entlüftet wurde
- Viele Heizkreise betroffen oder gesamtes System kalt
- Kein Entlüftungsventil vorhanden oder nicht zugänglich
- Ursache der Luft unbekannt (undichte Stelle vermuten)
- Systemdruck sinkt regelmäßig ohne erkennbaren Grund
Wiederkehrende Luft ist immer ein Symptom, keine Ursache. Wir suchen die eigentliche Ursache und beheben sie dauerhaft, anstatt nur immer wieder zu entlüften. Automatische Entlüfter am Heizkreisverteiler können das manuelle Entlüften weitgehend überflüssig machen. Sie lassen Luft kontinuierlich entweichen und sind besonders bei Systemen sinnvoll, die regelmäßig Luft ziehen.
Was ein Fachbetrieb zusätzlich prüft
Bei wiederkehrender Luft reicht Entlüften allein nicht. Die professionelle Diagnose findet die eigentliche Ursache.
Ausdehnungsgefäß
Vordruck messen und mit dem Fülldruck der Anlage abgleichen. Eine gerissene Membran oder falscher Vordruck verursacht Druckschwankungen, die Luft ins System ziehen.
Verschraubungen und Dichtungen
Alle Verbindungen am Verteiler und an Rohrleitungen auf Dichtheit prüfen. Schleichende Leckagen lassen bei ausgeschalteter Pumpe Luft von außen ins System.
Sauerstoffgehalt im Heizungswasser
Erhöhter Sauerstoffgehalt ist ein klares Indiz für Rohre ohne Diffusionssperre oder eine undichte Stelle. In dem Fall sind Systemtrenner oder Sauerstoffabscheider nötig.
Wichtig: Wiederkehrende Luft ist immer ein Symptom, keine Ursache. Ein Fachbetrieb nutzt eine Spülpumpe, die jeden Kreis einzeln mit hohem Volumenstrom durchspült und dabei auch festsitzende Mikroblasen austrägt. Auf Basis der Diagnose wird gezielt entschieden, ob eine einfache Reparatur reicht oder Komponenten getauscht werden müssen. Entlüften beseitigt Luft im System, Spülen entfernt Ablagerungen wie Magnetit und Schlamm aus den Rohren. Bei älteren Anlagen mit dunklem Heizwasser ist oft beides nötig.
Was kostet professionelles Entlüften?
Die Kosten hängen davon ab, ob nur entlüftet wird oder ob eine Ursachensuche nötig ist.
* Alle Preise sind Richtwerte inkl. MwSt. Der tatsächliche Preis hängt von Anlagengröße, Anzahl der Heizkreise und notwendigem Aufwand ab.
Fragen zum Entlüften
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